Drei Leichen am Entenweiher

Der erste Satz
Der Mann, der sich Ole Olsen nannte, hatte zuerst kurz üben müssen, wie man sich mit so einem vermaledeiten Drahtesel fortbewegte.

Krimi der Woche ∙ N° 07/2025 ∙ Hanspeter Eggenberger

Mit dem Titel seines sechsten in Basel spielenden Krimis „Die drei schönsten Toten von Basel“ bezieht sich Wolfgang Bortlik mit sanfter Ironie auf den wichtigsten Anlass in der Stadt am Dreiländereck von Schweiz, Deutschland und Frankreich: „Die drei schönsten Tage“, beziehungsweise „die drei scheenschte Dääg“, wie das im lokalen Idiom heisst, ist hier ein Synonym für Fasnacht. Und die wird hier sehr ernsthaft betrieben, ins Anarchische oder Gesetzlose franst der strikt durchorganisierte Anlass höchstens am Rand ein wenig aus. Die Fasnacht ist in Bortliks Roman denn auch weder Ursache noch Schauplatz von Verbrechen, sondern liefert nicht viel mehr als ein Hintergrundrauschen zu drei Todesfällen während den drei schönsten Tagen.

Schauplatz der Verbrechen ist der Entenweiher im Basler Vorort Riehen. Da läuft eine Waffenlieferung an einen Rechtsextremisten aus dem Ruder. Eigentlich ist der erste Tote die Folge eines Unfalls in der dunklen Nacht im Wald am Weiher. Der wohlhabende Mann aus Riehen, der seine klandestine Gruppe aufrüsten wollte, wird vom Lieferanten versehentlich angefahren und dabei tödlich verletzt. Der Fall stellt die Basler Polizei beziehungsweise deren Kommissär Norbert Britzig zunächst vor Rätsel. Ebenso mysteriös ist, wie zwei weitere Tote, die in den kommenden Tagen beim Entenweiher gefunden werden, mit dem ersten Fall zusammenhängen.

Bortlik erzählt die wilde Geschichte, in der neben neuen Rechten auch alte Punks auftreten, mit viel Witz und Ironie. Man begegnet darin auch Figuren aus früheren Romanen, wobei der einstige Hauptprotagonist Melchior Fischer, ein bisschen das Alter Ego des Autors, fast nur eine Nebenrolle spielt. Daneben gibt es weitere schräge und skurrile Figuren. Etwa den älteren Herrn, der in Riehen eine Landebahn für Ufos bauen wollte und auf den Namen Norbert Rudolf Bohne-Quandt hört, was das Kürzel NRBQ ergibt, was Bortlik die Möglichkeit gibt, der legendären amerikanischen Band mit diesem Kürzel als Namen die Reverenz zu erweisen. Überhaupt bestechen die Romane des vielseitig interessierten und sehr belesenen Autors immer auch mit zahlreichen Bezügen nicht nur zum aktuellen Zeitgeschehen, sondern auch zu populärer Kultur, wie wir es beispielsweise auch beim irischen Noir-Meister Ken Bruen schätzen. Beiläufig kommen etwa Kultbands wie The Slits (feministischer Punk), The Cramps (Psychobilly) und Mayhem (Black Metal) vor. Und nicht nur Bohne-Quandt kennt die phantastischen Horrorromane von H. P. Lovecraft. Einem zweifelhaften Staatsanwalt verpasst Bortlik den Namen des brasilianischen Filmrevoluzzers Glauber Rocha. Die Kumpel des Waffenlieferanten Ole Olsen heissen Mikkel Mikkelsen, Niels Nielsen und Knud Knudsen. Die Fülle von Verweisen und Anspielungen sowie der Sprachwitz sind für das Lesevergnügen am Ende wichtiger als der eigentliche Krimi-Plot.

Wertung: 3,5 / 5

Wolfgang Bortlik: Die drei schönsten Toten von Basel
Gmeiner, Messkirch 2025. 247 Seiten, 16 Euro/ca. 24 Franken

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Bild: Rolf Spriessler

Wolfgang Bortlik,

geboren 1952 in München, kam mit seiner Familie als 13-Jähriger in die tiefe Schweizer Provinz: in das obere Wynental im Aargau. Er studierte, ohne Abschluss, Geschichte, Soziologie und Publizistik an den Universitäten Zürich und München. Danach arbeitete er im sogenannten Zwischenbuchhandel. In den 1980ern gehörte er zu den führenden Figuren der Underground-Kulturszene der Kleinstadt Aarau. Er war Sänger und Schlagzeuger bei verschiedenen Bands, darunter die Kult-Punk-Combo Bermuda Idiots, gab die anarchistische Zeitschrift „Alpenzeiger“ heraus und betrieb eine kleine Buchhandlung und Galerie. 1981 war er Mitgründer des Zürcher Verlags Edition Moderne, dessen literarisches Programm er verantwortete; heute gibt der Verlag ausschliesslich Comics heraus.

Bortlik schrieb für zahlreiche Medien vom Comic-Magazin „Strapazin“ bis zu „20 Minuten“. Für die „NZZ am Sonntag“ verfasste er während mehreren Jahren wöchentlich ein Sportgedicht.

1998 erschien sein erster Roman „Wurst & Spiele“ (Edition Nautilus). Nicht nur da war Fussball ein nicht unwichtiges Thema. Diesem Sport widmete er mehrere Publikationen, darunter der Gedichtband „Am Ball ist immer der Erste“ (2006, Limmat Verlag) und das Sachbuch „Hopp Schwiiz. Fussball in der Schweiz oder die Kunst der ehrenvollen Niederlage“ (2008, Kiepenheuer & Witsch). „Die drei schönsten Toten von Basel“ ist sein sechster in Basel spielende Krimi.

1993 ist Bortlik von Aarau nach Basel gezogen, wo er Vater von drei Kindern wurde und unter anderem als Hausmann, Autor, Übersetzer, Buchhändler und Fussballtrainer tätig war. Heute lebt er in Riehen bei Basel.


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